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Die Angst zu sprechen verschwindet nicht – man lernt, mit ihr umzugehen

Aktualisiert: 16. Sept. 2025


Es ist kompliziert, über etwas zu schreiben, das man „eigentlich nicht sagen sollte“. Doch wie in jeder Unterrichtsstunde stehen Ehrlichkeit und Respekt für mich an erster Stelle. Wenn du gerade Deutsch lernst, ist dieser Text für dich.


Einer der Funken, die dieses Projekt entzündet haben, war ein Phänomen, das mich zutiefst berührt hat: so viele junge Menschen – Frauen und Männer – zu sehen, die beschlossen haben, in einem neuen Land zu leben und sich ein Leben in einer Sprache aufzubauen, die sie erst lernen würden. Diese Entschlossenheit inspiriert mich jeden Tag.


Viele von ihnen kamen nach Deutschland in dem Glauben, die Sprache würde sich fast wie von selbst einstellen, sobald sie in Frankfurt landen. Andere wiederum ahnten gar nicht, vor welcher großen Herausforderung sie standen. Diese Mischung aus Begeisterung und „Unbekümmertheit“ ging mir sehr nahe und motivierte mich, eine bessere Lehrerin zu werden und einen Raum zu schaffen, in dem wir unsere Leidenschaft für die deutsche Sprache und Kultur teilen können.


Was mich am meisten beeindruckt, ist nicht, dass sie keine Angst haben, sondern dass sie trotz der Angst weitergehen. Denn die Angst, in einer neuen Sprache zu sprechen, verschwindet nicht – man lernt, mit ihr umzugehen. Genau in diesem Prozess – in den Stockern, den stillen Momenten, den kleinen Siegen – entsteht das eigentliche Lernen.

Auch mir ist das passiert, und es passiert mir noch heute. Es gibt Situationen, in denen mich die Nervosität dazu bringt, „schlechter“ zu sprechen, als ich es normalerweise tue. Doch dann denke ich: Das passiert mir auch auf Spanisch, meiner Muttersprache.


Bei Treffen mit Freunden, denen ich gefallen möchte, beim Arzt oder vor Menschen, die ich beeindrucken will, höre ich mich oft reden und denke: Das hätte ich besser ausdrücken können. Wenn ich nervös bin, interpretiere ich jede Reaktion meiner Gesprächspartner als Hinweis darauf, wie gut oder schlecht ich spreche. Dabei wissen viele nicht einmal, dass Deutsch nicht meine Muttersprache ist.


In solchen Momenten der Unsicherheit verbinde ich mich mit der Laura, die damals noch kein Wort Deutsch konnte, und ich erinnere mich an sie. Das Letzte, was ich will, ist, mich für all das zu schämen, was diese träumerische Laura geschafft hat. Dieser Gedanke, dieser Respekt vor meinem früheren Ich, hilft mir, meine Unsicherheiten zu ignorieren – und auf eine gewisse Weise ihr gerecht zu werden.


Deshalb denke ich oft: Das sollte ich den Menschen, die ich für ihre Herausforderung so bewundere, viel öfter sagen. Ich finde, sie zu motivieren, ist genauso wichtig wie ehrlich zu sein: Ich glaube nicht, dass die Angst zu sprechen verschwindet; ich glaube, man lernt, sie zu handhaben. Außerdem glaube ich, dass jedes Gespräch eine Gelegenheit ist, diese mutige Version – ihr – gerecht zu werden, um ihr, und niemand anderem, zu zeigen, dass du auf dem richtigen Weg bist.


Eure Laura.

 
 
 

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